SPORT1-Chefredakteur Stefan Kumberger und SPORT1-Reporter Manfred Zeltbauer diskutierten Manuel Neuer in einer neuen Folge des SPORT1-Podcasts "WM-Kabine".

Vor der FIFA-WM war ständig von dieser Aura die Rede – von der Ehrfurcht, die gegnerische Stürmer Manuel Neuer entgegenbrachten, und von der Gelassenheit und dem Gefühl der Sicherheit, das der Torhüter des FC Bayern München ausstrahlte und auf seine Mitspieler übertragen konnte. Aus diesem Grund holte Bundestrainer Nagelsmann den 37-jährigen Torhüter aus dem Rücktritt zurück zur deutschen Nationalmannschaft und ging das Risiko ein, die Teamatmosphäre zu beeinträchtigen.
Nach der Gruppenphase steht jedoch fest: Der erhoffte Effekt ist bisher ausgeblieben. Wo ist die Aura?
SPORT1-Chefredakteur Stefan Kumberger und SPORT1-Reporter Manfred Zeltbauer diskutierten dieses Thema in einer neuen Folge des SPORT1-Podcasts "WM-Kabine".
Drei Paraden, vier Gegentore – Manuel Neuers aktuelle FIFA-WM-Statistik wirkt eher enttäuschend. Nagelsmann sagte bei MagentaTV: „Für Manu ist das eine weitere extrem frustrierende Situation, da er nicht einen entscheidenden Fehler verhindern konnte. Diese Schüsse waren sehr schwer zu halten."
Der Torhüter hat den Ball öfter als erwartet aus dem Netz geholt. Es gab kaum Gelegenheiten für ihn, sein Können wirklich zu zeigen. Schon nach dem zweiten Gegentor gegen Ecuador kam die Diskussion auf: Hätte dieses Tor verhindert werden können?
SPORT1-Chefredakteur Stefan Kumberger sagte: „Meiner Meinung nach war das kein reiner Torwartfehler." Er fügte jedoch hinzu: „Ganz schuldlos ist er aber auch nicht. Er war an diesem Gegentor beteiligt. Auch Antonio Rüdiger und Jonathan Tah tragen Verantwortung."
Besonders interessant war daher Manuel Neuers Reaktion nach dem Spiel.
Manuel Neuer bestreitet Verantwortung
Auf die Frage, ob er für das Gegentor verantwortlich gemacht werden sollte, antwortete er kurz „nein" und erklärte dann ausführlich seine Sicht der Dinge. Kumberger sagte: „Je länger sich ein Mensch verteidigt, desto mehr Ansatzpunkte finden die Leute, um darüber zu diskutieren."
Nach Ansicht des SPORT1-Reporters ist Manuel Neuers Umgang mit seinen Fehlern nicht überraschend: „Das sind wir aus München längst gewohnt." Zeltbauer ergänzte: „Für mein Empfinden wirkt das einfach zu empfindlich, und es fehlt an Selbstreflexion."
Kumberger hielt jedoch dagegen: „Vielleicht ist es gerade diese fast schon paranoide Persönlichkeit, die ihn dorthin gebracht hat, wo er heute steht – an die Spitze der größten Torhüter der Geschichte."
Wo ist die Aura?
Es ist lange her, dass die deutsche Mannschaft in einem FIFA-WM-Spiel ohne Gegentor blieb – das war der 1:0-Sieg gegen Argentinien im Finale 2014.
Doch nicht nur die Gegentore seien entscheidend, so Zeltbauer. „Es gab noch zwei andere gefährliche Situationen im Spiel, die darauf hindeuteten, dass die Abstimmung in der Mannschaft nicht gut war und er nicht so große Sicherheit ausstrahlte."
Seine Frage bleibt: „Wo ist diese Aura, von der immer wieder gesprochen wurde?" Kumberger ergänzte: „Dieser Aura-Effekt ist bisher ausgeblieben. Fakt ist: Eine Aura allein kann keine Tore verhindern."
Beide Podcast-Moderatoren sind sich jedoch einig, dass die Torwartposition derzeit nicht diskutiert werden muss und dies auch innerhalb der deutschen Nationalmannschaft nicht geschieht.
Dennoch bleibt der äußere Eindruck: Nagelsmanns riskante Rückholaktion von Manuel Neuer hat bisher nicht die erhofften Ergebnisse gebracht.
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