Der ehemalige Premier-League-Schiedsrichter Andy Davies ist der Ansicht, dass die Rote Karte, die dem US-Stürmer Balogun im FIFA-WM-Spiel gegen Bosnien und Herzegowina gezeigt wurde, eine fehlerhafte VAR-Intervention und ein unsachgemäßer Gebrauch des VAR-Protokolls war.

In der 63. Minute des Spiels kam Balogun bei einem Zweikampf um den Ball in Kontakt mit dem Verteidiger Muharemović aus Bosnien und Herzegowina. Der VAR intervenierte daraufhin und empfahl dem Schiedsrichter Raphael Claus, sich die Wiederholung an der Seitenlinie anzusehen, um zu überprüfen, ob es sich um ein schweres Foul handelte. Nach Überprüfung des Videomaterials zeigte der Schiedsrichter die Rote Karte und verwies Balogun vom Platz.
Davies analysierte, dass der VAR die Entscheidungsänderung empfahl, weil die Wiederholung zeigte, wie sich Muharemovićs rechter Knöchel nach dem Kontakt mit Balogun stark verdrehte, und der VAR Baloguns Aktion als gefährlich einstufte.
Davies ist jedoch der Ansicht, dass diese Entscheidung keine Rote Karte hätte sein dürfen. Er erklärte, dass beide Spieler zu diesem Zeitpunkt legitim um den Ball kämpften. Obwohl Baloguns Kontakt mit dem Gegner in Zeitlupe schwerwiegend wirkte, war er tatsächlich völlig zufällig – ein unglücklicher Zusammenprall während einer normalen Fußballaktion – und stellte kein schweres Foul dar.
Davies wies ferner darauf hin, dass das Problem bei dieser VAR-Intervention die falsche Verwendung von Zeitlupen und Standbildern als Entscheidungsgrundlage war. Gemäß dem VAR-Protokoll sollten bei Entscheidungen über Rote Karten Zeitlupen und Standbilder nur zur Bestätigung des Kontaktpunkts verwendet werden und nicht zur Beurteilung des Gefährlichkeitsgrades der Aktion selbst, da Zeitlupen die Schwere einer Aktion leicht übertreiben und die Beurteilung des Schiedsrichters beeinflussen können.
Er kam zu dem Fazit, dass die Rote Karte aus regelgerechter und schiedsrichterlicher Perspektive falsch war, auch wenn das Ergebnis angesichts der Art und Weise, wie das vom VAR bereitgestellte Zeitlupenmaterial dem Hauptschiedsrichter an der Seitenlinie präsentiert wurde, fast vorhersehbar war.
Hinweis: Andy Davies war früher ein Select-Group-Schiedsrichter in Englands höchster Liga und gehörte über 12 Spielzeiten zur Elite-Schiedsrichterliste, wobei er Spiele in der Premier League und der Championship leitete. Mit seiner umfassenden Erfahrung als Schiedsrichter auf höchster Ebene arbeitete er zudem als Video-Assistent-Schiedsrichter in der Premier League, was ihm eine einzigartige Perspektive auf die Schiedsrichterverfahren, Kriterien und Ausführungsstandards bei FIFA-Weltmeisterschaftsspielen ermöglicht.

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