Auswärtsfahrten, ein kollektives Ritual, das seit Jahrzehnten Fans unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Regionen vereint, werden nun zu einem Tabu, das von Polizeichefs, Schiedsrichtern und Strafverfolgungsbehörden im Namen der öffentlichen Ordnung „geopfert" wird. Die aktuelle Praxis besteht darin, Verbote vorausschauend zu erlassen, um potenzielle (und unsichere) Zusammenstöße zwischen Fans später zu vermeiden. Infolgedessen fanden in dieser Saison 40 Spiele in der Serie A, Serie B, Serie C und dem italienischen Pokal ohne Auswärtsfans statt, und etwa 50 weitere Spiele waren aufgrund von Ticketbeschränkungen betroffen.

Die „Corriere dello Sport" schrieb damals, dass diese Zahl angesichts der Tatsache, dass die Saison erst seit weniger als einem Monat läuft, tatsächlich hoch ist, da die frühesten Verbote auf die Qualifikationsspiele des Coppa Italia und des Coppa Italia der Serie C Mitte August zurückgehen.
Aktuelle Praktiken und relevante Bestimmungen
Die „Corriere dello Sport" wies darauf hin, dass für diese Sportveranstaltungen die Sicherheitsbeobachtungsstelle ihre Bewertung an die Sicherheitsanalyse-Kommission weitergegeben hat, um „angemessene strenge Maßnahmen" einzuführen. Dies ist üblicherweise ein Vorläufer eines Verbots. Die entsprechenden Beschränkungen wurden nach der vergangenen Saison noch verschärft: Innerhalb von zwei Wochen kam es zunächst zu Auseinandersetzungen zwischen Fans der AS Rom und der AC Florenz auf der Autobahn A1, gefolgt von Fans der Lazio Rom und des SSC Neapel. Dieser Ansatz ist eine Pauschalmaßnahme, die nicht nur die aktivsten Fans in der Kurve trifft, sondern auch Familien und gewöhnliche Fans wahllos betrifft, die keine Verbindung zu extremistischen Fanorganisationen haben.
Da es unmöglich ist, gezielt Fans eines bestimmten Teams den Zutritt zu verbieten, nutzen die Behörden den Wohnort als Referenzmerkmal, einen Parameter, der beim Eintritt mit einem Ausweisdokument überprüft werden sollte. Solche Maßnahmen führen auch zu absurden Konsequenzen. Beispielsweise befürchteten Fans der Lazio Rom vor dem Spiel Lazio Rom gegen FC Bologna (das schließlich für die Öffentlichkeit freigegeben wurde), möglicherweise nicht nach Bologna reisen zu dürfen, um das erste Ligaspiel zu sehen. Sie starteten daraufhin eine Kampagne in den sozialen Medien und planten, „eine kulturelle Tour zu unternehmen, um die Kirchen der Stadt zu besuchen". Letztendlich können nach geltenden Bestimmungen zwar Fans vom Stadionzutritt ausgeschlossen werden, aber Menschen können nicht daran gehindert werden, frei zwischen verschiedenen Städten zu reisen.
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